Volume-Profile-Grundlagen: POC, Value Area und ihr Lesen
Volume Profile ordnet die Handelsperiode nach Preis statt nach Zeit. Hier steht, was es zeigt, was es nicht zeigt und wie du es ohne Overfitting nutzt.
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Standardmäßige Kerzencharts tragen Preis gegen Zeit ab. Volume Profile trägt gehandeltes Volumen gegen Preis für ein gewähltes Fenster ab — eine Sitzung, eine Woche, ein Quartal. Jedes Preisniveau ist ein horizontaler Balken, dessen Länge dem Gesamtumsatz an Kontrakten oder Aktien zu diesem Preis entspricht. Ergebnis ist ein seitlich gelegtes Histogramm neben dem Chart.
Der meistgehandelte Preis im Fenster heißt Point of Control (POC). Das Preisband, das ungefähr 70 % des gesamten Handelsvolumens enthält, ist die Value Area, mit expliziten oberer (VAH) und unterer (VAL) Grenze. POC, VAH und VAL beschreiben gemeinsam, wo die Auktion ins Gleichgewicht kam — wo Käufer und Verkäufer in Größe handeln wollten.
Der POC wirkt wie ein Magnet. Entfernt sich der Kurs intraday von ihm, ist Mean Reversion wahrscheinlicher als Continuation, besonders in Niedrigvolatilitätsregimen. Verlässt der Kurs die Value Area auf hohem Volumen und bleibt draußen, ist es ein "Trend Day" und die Value Area wird für die nächste Sitzung höher oder tiefer neu gesetzt. Zu erkennen, ob du in einem balancierten oder trendenden Regime bist, ist die wichtigste erste Frage des Tages, und das Volume Profile beantwortet sie direkt.
Composite-Profile aggregieren mehrere Sitzungen — typischerweise 5, 20 oder 60 Tage. Ein 20-Tage-Composite-POC ist ein starker Magnet im Tageschart und ein wichtiges Niveau für Swing-Trader. Composite-Value-Area-Ränder (VAH und VAL über 20 Tage) wirken oft wochenlang als horizontaler Support / Resistance.
Der klassische Intraday-Trade ist die Value-Area-Rotation: Der Kurs eröffnet nahe einem Rand der gestrigen Value Area, rotiert durch den POC und tippt den gegenüberliegenden Rand an. Statistisch passiert das in liquiden US-Aktien-Index-Futures in etwa 35–40 % der Tage; an den übrigen 60 % funktioniert es offenkundig nicht — also zählen Position Sizing und Stop-Platzierung mehr als die Richtungsprognose.
Volume Profile sagt nicht die Richtung. Es sagt, wo das Gleichgewicht war. Neue Information — Earnings, Konjunkturdaten, Mittelflüsse — verschiebt das Gleichgewicht, und das Profil preist neu. Wer Volume Profile ohne übergeordneten Richtungsbias tradet, fadet Trends systematisch und verliert Geld. Kombiniere das Profil mit einem Trendfilter auf Tagesebene (z. B. SMA-50/200-Kreuz oder Wochen-Close über/unter dem Close der Vorwoche).
In Drogo wird Volume Profile im Chart-Bundle gerendert und ist über die Daten-API ebenfalls als Histogramm mit Schlüssel (symbol, window, resolution) berechenbar. Der Screener bietet noch keine Volume-Profile-Filter; das steht auf der Roadmap.
Quellen & weiterführende Literatur
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